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Leserbriefe



Offener Brief an Helmut Hubacher, Herbst 2015
Sehr geehrter Herr Hubacher,
kürzlich traten Sie mit mir in Briefkontakt. Noch vor der Anrede „Lieber Herr Wenger“, konstatieren Sie fett und rot, dass der starke Franken Arbeitsplätze koste.
Leider wollen Sie nicht mit mir über anstehende Probleme etwelcher Art austauschen, nein, Sie wollen von mir Geld, weil Wahlen kosten Geld, wie Sie mir schreiben.
Herr Hubacher, die Arbeiterschaft der Schweiz hat der Sozialdemokratie viel zu verdanken, das sei ihr unbenommen. Die SP aber hat sich am übergrossen Kuchen der letzten Jahrzehnte überfressen, sie hat Fett angesetzt, und beim Ringelreihen um das goldene Kalb wird der Blick trüb und die Gedanken werden auch nicht wirklich klarer. Wir haben uns daran gewöhnt, sehr viel zu haben und Habenichtse auszusperren, das Rosinenpicken ist den Schweizern zur zweiten Natur geworden, die Medien haben das ihre dazu beigetragen, dass die Menschen glauben, sie hätten ein Recht darauf, die Gnade der eidgenössischen Geburt sozusagen.
Geld korrumpiert, Macht korrumpiert, gleichzeitig darf das Wort Solidarität gerade noch beim Streifzug durch das Ballenberg-Museum laut ausgesprochen werden, andernfalls gelangen rasch Termini wie Nestbeschmutzer, Kommunist, Gutmensch etc. zur Anwendung. Wie weit die Entsolidarisierung fortgeschritten ist, belegt im „Kleinen“ beispielhaft der äusserst unappetitliche Fall Kiener-Nellen. Unser ganzes System, inklusive zugehöriger Geisteshaltung ist vom Kiener-Nellen-Syndrom befallen, möglichst viel für mich (möglichst wenig für die anderen), auf die optimale Ausschöpfung sämtlicher „legaler“ Möglichkeiten wird viel Energie verwendet.
Sehen Sie Herr Hubacher, bei der Rettung der Banken wurde eine rote Linie überschritten. Die SP und alle anderen Parteien haben sich von diesem verbrecherischen System erpressen lassen, sie alle haben sich dem Diktat des Geldes unterworfen. Damals wie heute wird den Menschen mit der Androhung von Arbeitslosigkeit Angst eingejagt. Mit diesem sehr probaten Mittel werden die Arbeitenden noch und noch dazu gebracht, gegen ihre ureigensten Interessen zu stimmen. Geben Sie mir also genug Geld, um genug Angst erzeugen zu können und ich mache mir die Schweiz untertan.
Mit dieser Angst kann erreicht werden, dass wir z.B. Waffen verkaufen - die RUAG in Thun macht gute Minen zum bösen Spiel - später verkaufen wir Minen-Suchgeräte und Prothesen und leisten damit „humanitäre Hilfe“ und fühlen uns edel dabei, eine - wie Volker Pispers sagen würde - Win-Win-Win-Situation. Wer könnte da zurückstehen.
Alle monotheistischen Religionen dirigieren die Menschen seit jeher mit Angst, so auch die Glaubensgemeinschaft des Kapitalismus. „Niemand kommt in dieses Haus, denn durch meinen Kredit“, UBS sei Dank, UBS sei Dank.
Das Glaubensbekenntnis dieser Religion besagt, dass unser zinsbasiertes Wirtschafts-System endlos wachsen kann. Das ist idiotisch. Wir sind nicht intelligenter als das hinterletzte Karzinom; wachsen bis der Wirt kollabiert, und fertig mit lustig. Das Hohelied von Wachstum und Gewinn - Lyrics by Novartis, Roche, UBS, CS etc. etc. - dröhnt als parteiübergreifende Kakophonie in unseren Ohren, das Drehen der Gebetsmühlen zeitigt Wirkung, der Befall des Kiener-Nellen-Syndroms hat sich auf grosse Teile der Bevölkerung ausgeweitet, Geld verdienen ist out, Geld „machen“ ist cool.
Jeder kann heute auf alles wetten (oder gegen alles, auch gegen Staaten) und jeder kann „traden" auf Teufel komm raus, Profite um wirklich jeden Preis. Das ist obszön und hochgradig unethisch.
Wie lange wollen Sie der stetigen Umverteilerei von fleissig nach reich noch tatenlos zusehen?
Ist das Ihr Verständnis von Demokratie, finden Sie das gut so???
Henry Ford hat 1922 gesagt:" Es ist gut, dass die Bürger der Nation unser Banken- und Geld-System nicht verstehen, denn wenn sie es verstehen würden, glaube ich, gäbe es noch heute Nacht eine Revolution."
Dank Nicht-Information und grossflächiger Sedierung der Menschen mit Hilfe vielfältig-einfältiger Fernsehformate wird heute vom „Normalverbraucher“ genau so wenig verstanden wie damals, dass jeder Franken, den all die Anleger, Investoren, Hedgefonds-Manager und all die anderen Blutsauger in den Teppichetagen einsacken, dass jeder einzelne Franken von irgendeiner Person da draussen „erarbeitet“ werden muss. Hier in der Schweiz kann man die Leute wahrscheinlich noch lange bescheissen, jedenfalls solange, wie Burger, Cola und Fernsehen verfügbar sind, satt - heisst es - geht nicht auf die Strasse.
Die anderen aber, die von den „entwickelten“ westlichen Gesellschaften seit langer Zeit ausgebeutet wurden - und nach wie vor ausgebeutet werden - sie beginnen sich zu bewegen, sie wollen teilhaben und das mit Recht.
Was Herr Hubacher, was also schlagen Sie vor?
Der längst fällige Paradigmen-Wechsel jedenfalls wird nie und nimmer von den „Eliten“ vollzogen werden, die zur Zeit einen dermassen optimalen Zugriff auf die Futternäpfe haben, sie müssen allesamt weg.
Herr Hubacher, suchen Sie wieder einmal das Gespräch mit Menschen, die arbeiten für ihr Geld und melden Sie sich erst wieder brieflich bei mir, wenn Sie z.B. Vorschläge zu einem Geld-System haben, das nicht auf Zinsnahme basiert, wenn Sie Pläne haben, wie Banken und Grosskonzerne redimensioniert und an die Leine gelegt werden können, damit sie den Menschen dienen und nicht umgekehrt, das würde mich interessieren. Wenn Sie aber nur Geld sammeln, um den Status Quo aufrecht zu erhalten, sprich Schere immer weiter auf etc. dann lassen Sie mich mit der Bettelei in Ruhe.
Freundliche Grüsse                    B. Wenger, Biel




Brief an Hans Stöckli, Ständerat aus Biel, Herbst 2015

                                              Biel, im Oktober 2015

Sehr geehrter Herr Stöckli,

Sie sind bereits der zweite SP-Exponent, der mich innert kurzer Zeit um finanzielle Unterstützung für seine Partei angeht.
In eineinhalb Jahren werde ich pensioniert. Ich habe als Musiker und Musiklehrer mein Leben lang ca. 50%  „Lohnarbeit“ geleistet, alles andere waren Projekte und Tätigkeiten, die zum überwiegenden Teil nicht oder nur sehr bescheiden bezahlt waren. Ich werde bei meinem derzeitigen Pensum an der Musikschule Biel - das in den letzten zwei Jahren von 53% auf knapp 20% gesunken ist - wohl nur das Minimum an AHV-Rente erhalten.
Ihr Anliegen müsste mich demnach eigentlich interessieren.
Warum es das nicht tut liegt schlicht daran, dass mich andere Belange wesentlich mehr umtreiben.

Einige Beispiele:
Es müsste dringen verboten werden, dass mit Grundnahrungsmitteln spekuliert werden kann.                                                                                   


Die westlichen Gesellschaften exportieren Fleisch (auch das was hier niemand essen mag) - von der EU künstlich verbilligt - nach Afrika (z.B. Ghana) und ruinieren dort die Märkte, weil ein Huhn 6 Dollar, ein Kilo tiefgefrorener „Fleischteile“ aus der EU aber nur 50 Cent kostet.                           

Der ARTE-Film „Nie wieder Fleisch“ zum Thema:                                                     www.youtube.com/watch?v=MQDozUfoinc                                

Die EU hat 45 Millionen EURO ausgegeben, um am Viktoriasee den Nilbarsch - den die Engländer damals dort ausgesetzt haben, und der alle anderen Fischarten ausgerottet hat - zu verarbeiten und auf die Teller der Europäer zu bringen, dieweil sich Menschen, die früher vom Fischfang gelebt haben, in den Fabriken verdingen, und was ihnen zum Essen bleibt, können Sie sich im Film „Darwins Albtraum“ zu Gemüte führen.                                                                                      www.youtube.com/watch?v=pIDQ_4QAaWo                                
                                                                                                                                                                                   
Dann hätten wir noch die Pharma-Mafia, Buchtipp:               

„Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ und in diesem Zusammenhang wäre dringend das Patentrecht zu ändern.         

Hier noch ein ZDF-FilmzumThema:                                                                                                                                                                                          https://www.youtube.com/watch?v=R-HQEZEtvHI


Dann könnte man noch den ARTE-Film „Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt“ einbeziehen und sich fragen, was all diese Themenbereiche mit den weltweiten Konflikten und den Flüchtlingsströmen dieser Tage zu tun haben, die uns zunehmend und auf lange Sicht beschäftigen werden, und, Herr Stöckli, wie gross unser Anteil an diesen ganzen Geschehnissen ist.
 
Dass die Feudalisierung der Schweiz (Hans Kissling, Amazon EUR 16.60) so rasche Fortschritte macht, scheint kein Thema zu sein, auch nicht für die SP.
Wenn einige Prozent der Bevölkerung den Grossteil des Geldes kontrollieren (und ständig vermehren), ist es nicht weiter erstaunlich, dass es enger wird am Futternapf.
Da bleibt nur abzuwägen, ob man lieber der Bildung oder der Kultur oder eben dem Alter etwas wegnimmt, bzw. nicht gibt.
Den Mut, dort etwas wegzunehmen wo es wirklich etwas hat, scheint niemand aufbringen zu wollen.
Ich mag jedem Rentner die 70.- Fränkli gönnen, nur dass das klar ist.
In Anbetracht aber der Probleme, die meines Erachtens wirklich Brisanz haben, sind es Kinkerlitzchen.

Also Herr Stöckli, wenn Sie eine Kampagne für ein zinsfreies Geldsystem lancieren, werde ich gerne meinen Obulus leisten.
Mit den 70.-SFR aber pro Monat, die Sie mir organisieren wollen, bin ich auch als künftiger Rentner nicht zu kaufen.

Freundliche Grüsse

Beat Wenger

Beilage: Offener Brief an Ihren Genossen Helmut Hubacher

 



Leserbrief Nov. 2014

Liebe Leidgenossen,

das Kiener Nellen-Syndrom - eine Art pekuniäre Fettsucht - ist doch nicht wirklich neu und dass diesmal das Krankenblatt für eine Person aus der SP ausgefüllt wurde, bringt meinen Vater nur dazu sich ein weiteres mal in seinem Grab umzudrehen.

Was ein Glück Herr Köppel, dass Ihnen exakt jetzt diese Frau auf das Radar stolpert, die reichen Ausländern Fett absaugen will, ohne aber für sich selbst eine Monetär-Magen-Band-OP in's Auge zu fassen. Alles in höchstem Masse unappetitlich. Unglücklicherweise geht satt nicht auf die Strasse und solange sich Menschen mit Untenhaltungs-Schrott abspeisen lassen, werden sie sich nicht näher über die Machenschaften unserer Danistakratie (Herrschaft des Wuchers) in's Bild setzen, geschweige denn etwas gegen die zügige Umverteilung von fleissig nach reich unternehmen. Sei's drum, den Bilderbergern und ihren Vasallen kann das nur recht sein, und Warren Buffett hat es prophezeit, den Krieg Reich gegen Arm werden die Reichen gewinnen.
Es ist an der Zeit aufzuwachen.
Beat Wenger   Biel/Bienne




Leserbrief  August 2009 zum Thema: Wie unabhängig sind PolitikerInnen?
Ferienzeit.
Etwas Leichtigkeit im Sein und ein Sommer von ganz annehmbarer Beschaffenheit.
Allzu verständlich, dass einem der Sinn nach Erbaulichem und eher Leichtverdaulichem steht.
Flächenbrände, Erdrutsche etc. finden in weit entfernten Gefilden statt, bedauerlich für die Betroffenen, klar.
Naturkatastrophen und Seuchen ganz anderer Art suchen uns in diesen Tagen zum wiederholten Mal heim.
Befallen sind u.a. UBS-Festplatten und Steuererträge, vor allem aber Grosshirnrinden von CEO's, von Boni-Verteilern und –Empfängern. Stark in Mitleidenschaft gezogen ist das geistige Frühwarnsystem von so genannten Volksvertretern.
Die Erosion geht schleichend, ethische Positionen schmelzen dahin wie Schnee in der Frühlingssonne und das wuchernde Wachstums-Gier-Krebs-Geschwür wird zwecks Problemvermeidung selten als solches diagnostiziert.
Die Abgaben von gut wirkenden Sedativa - von Musikantenstadel über Schweizer Illustrierte bis zu Super-Ligue und Besenkammer-Geschichten - an die Bevölkerung, ist öffentlich-rechtlich straff organisiert und scheint gute Wirkung zu zeitigen.
Wie sonst ist diese Apathie zu erklären, das Sommerloch alleine kann es doch kaum sein?
Kein Aufruhr, keine wütende Menschenmenge auf der Strasse, kein Eklat im Bundeshaus. Vielmehr einer der versucht, Kritik mit einer unglaublich dummdreisten 1.Augustrede auszuhebeln b.z.w auszumerzen. Von wegen wir haben übertrieben und so...         
Meine Herren CEO's, PolitikerInnen und Konsorten, sie sind doch wohl von allen halbwegs passablen Geistern verlassen.
Boni bezahlen um die Besten halten zu können! Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Was diese seelisch leichtgewichtigen Monopolyspieler in den Sand gesetzt haben, sprengt jede Vorstellung und das sind also die Besten. Das ist wie "Neues aus der Anstalt" nur eben bitterste Realität.
Und dann dieses Geschenk, über 6 Milliarden!!! Koks für Kader, statt Bildung für die Jugend. Was könnte mit so einem Haufen Geld alles in Bewegung gebracht werden.
Meine Empörung kennt keine Grenzen.
Natürlich ist es hier herum etwas aus der Mode gekommen und angesichts der Off-Roader- und Audi-Dichte nicht sehr erfolgversprechend, eine Revolution anzetteln zu wollen. Nichts weniger als eine Revolution geistiger Art in den Köpfen unserer „Weisesten“ und „Wägsten“ ist indessen nötig, um den sehr eingeengten Fokus auf Material und Stutz auf eine komplettere Schau zu öffnen. Es könnte etwas Ethik und Spiritualität im Blickfeld vertragen, nichts weniger als ein Paradigmenwechsel wäre vonnöten, trübe Aussichten also...
Mich jedenfalls meine Damen und Herren Entscheidungsträger volksvertreten sie nicht länger, von mir erhalten sie dreifach die rote Karte für: "Bückling vor den UBS-Vögten", für wiederholte "Veruntreuung von Steuergeldern" und für "Vortäuschung von Rückgrat und Integrität“ während des Wahlkampfs", und jetzt raus...
Ich habe fertig.                                                             Beat Wenger, Biel  



Leserbrief  zu den REAKTIONEN auf den Rücktritt von Hans-Rudolf Merz, BZ vom Samstag 7. August 20


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